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Dozentin Lisa Wolff in der Süddeutschen Zeitung

Kunstwerke fürs Gesicht

von Bettina Pfau

Jahr: 2011, Woche: 26

Lisa Wolff ist Visagistin – Ende des Jahres will die 22-Jährige eine eigene Make-up-Schule in München aufmachen. „Natürlich gibt es schon einige gute Schulen in diesem Bereich“, sagt sie. „Aber wir haben ganz neue, moderne Ideen, um die Ausbildung gezielter auf aktuelle Anforderungen im Beruf anzupassen.“

Bevor sich Lisa Wolff, 22, in die Sonne setzt, bringt sie erst einmal ihren großen Koffer in den Schatten. „Nicht, dass mir noch die Farben verlaufen“, sagt sie und zerrt den schweren Aluminiumkasten unter den Sonnenschirm des Cafés. Lisa hat den silbernen Rolli mit all den Schminkutensilien schon einige Kilometer hinter sich her gezogen. Schließlich reist die selbständige Visagistin bereits seit knapp drei Jahren mit ihrem mobilen Make-up-Studio von Job zu Job. Von Modenschauen zu Werbespotproduktionen, von Katalog-Shootings zu Videodrehs oder Hochzeiten. Viel zu tun für eine 22-Jährige – doch schon jetzt ist der nächste Karriereschritt geplant: Ende des Jahres will sie ihre eigene Make-up-Schule eröffnen.

„Schon als kleines Mädchen war mir klar: Ich werde Make-up-Artistin“, sagt die junge Frau aus München. „Dabei ging es mir schon damals gar nicht um das rein oberflächliche Hübschmachen. Es war mehr der künstlerische Aspekt, der mich zum Schminken brachte.“ Bereits in der Schule verbringt Lisa ihre Zeit lieber mit Kunst anstatt mit Mathe oder Physik. Mal zeichnet sie fotorealistische Porträts, mal experimentiert sie mit Farben. Darum war es für Lisa auch selbstverständlich, dass sie nach dem Realschulabschluss einen kreativen Beruf erlernen wird.

„Schminken ist Kunst“, sagt sie, „anstatt auf Leinwänden zu malen, malt man eben auf Gesichter.“ Jedes einzelne Make-up sei für Lisa ein Kunstwerk, jedes sehe anders aus und habe eine ganz eigene Wirkung auf den Betrachter. Damit Lisa ihre Make-ups auch immer wieder betrachten kann, arbeite sie am liebsten mit Fotografen zusammen. „So werden die Looks auf den Bildern festgehalten und können an die Wand gehängt werden. Eben wie Gemälde“, sagt sie.

Unerwartet dezent wirkt dagegen ihr eigenes Styling. Dezent, aber makellos. Ihr kurzer, blonder Bob sitzt perfekt. Ein klassischer, schwarzer Lidstrich betont die Augen, der Teint ist ebenmäßig, wirkt nahezu puppenhaft. Gerade mal dreißig Minuten braucht Lisa in der Regel für Frisur und Make-up. „Betont man die richtigen Partien, kann man jedes Gesicht zum Strahlen bringen“, verrät Lisa. Und das sei ja schließlich auch die Intention ihrer Arbeit: Menschen zum Strahlen zu bringen.

Der erste Schritt auf Lisas Karriereweg war die Ausbildung zur Friseurin. Das sei zwar keine Bedingung, um Visagistin zu werden, aber ein Vorteil. „Mir war klar: Umso breitgefächerter meine Kompetenzen, desto besser werden später meine Erfolgschancen sein“, erklärt sie. Doch danach ging es für Lisa direkt zur „Make-up Artist Factory“, eine private Schule in München. Dort lernte Lisa alle Techniken der Schminkkunst. Nach der etwa dreimonatigen Ausbildung bekam sie ihren Abschluss als Make-up-Artistin. Die Schule verließ sie dann aber trotzdem nicht – die Lehrer boten der damals 19-Jährigen an, selbst als Dozentin an der renommierten Schule zu arbeiten. „Vor der ersten Stunde hatte ich schon Bedenken, ob mich die Schüler überhaupt ernst nehmen würden“, gesteht die zierliche Blondine. Diese Nervosität ist verständlich –immerhin sollte Lisa vier Tage die Woche Männer und Frauen, die teilweise doppelt so alt sind wie sie, vorschreiben, wie sie ihren Rouge-Pinsel zu halten haben. Doch alles ging glatt. Schnell fand Lisa ein freundschaftliches Verhältnis zu den Schülern – und Gefallen an dem Job.

Genug war ihr das allerdings nicht. „Ich wollte freier arbeiten, eigene Jobs annehmen, mehr erleben und vor allem auch mich selbst weiterentwickeln“, erklärt sie. Deswegen machte sich Lisa parallel zum Unterricht einen Namen als selbständige Visagistin, knüpfte Kontakte zu Fotografen, Designern und Kosmetikfirmen und ergatterte schließlich so viele Aufträge, dass sie die Lehrtätigkeit aufgeben konnte. Seit Anfang des Jahres baut Lisa ihr eigenes kleines Make-up-Reich auf. „Nun kann ich Jobs annehmen, die ich vorher aufgrund der festen Arbeitszeiten hätte absagen müssen.“ Wie zum Beispiel das Styling für eine Modenschau in der vorletzten Woche. Innerhalb von nur zweieinhalb Stunden hat sich Lisa um Haare und Make-up von zehn Models gekümmert. Das sei purer Stress gewesen, aber auch unglaublich aufregend. Mittlerweile kann sie zahlreiche Fernsehsender, Magazine oder auch Kosmetikfirmen zu ihren Kunden zählen. Dabei machen ihr kleine Aufgaben wie das Schminken von Bräuten genauso viel Spaß wie die aufwendigeren Jobs.

Diese Abwechslung ist ein weiterer Grund, warum Lisa so gerne als Make-up-Artistin arbeitet. Einen geregelten Alltag kennt sie nicht mehr. Mal arbeite sie sieben Tage die Woche, mal eine komplette Woche gar nicht, sagt sie. Jeder Tag sei anders, jeder Tag sei aufregend, ein echtes Künstlerleben.

Doch schon Ende des Jahres wird Lisa wieder vor Schulklassen stehen und unterrichten. Diesmal in ihrer eigenen Schule. Gemeinsam mit einer ehemaligen Kollegin möchte sie im Dezember eine Make-up-Schule in München eröffnen. „Manchmal kommt mir das selbst noch ein wenig unrealistisch vor. Dabei stecken wir schon mitten in der Planung, entwerfen Lehrpläne und haben sogar schon ein Logo entworfen“, verrät Lisa und wirkt zum ersten Mal ein wenig hibbelig im Gespräch. Räumlichkeiten suchen Lisa und ihre Kollegin momentan noch, der Name der Schule steht allerdings bereits: „Fame Eye“. „Natürlich gibt es schon einige gute Schulen in diesem Bereich. Aber wir haben ganz neue, moderne Ideen, um die Ausbildung gezielter auf aktuelle Anforderungen im Beruf anzupassen“, erklärt die angehende Schulleiterin.

Ihre Tätigkeit als freie Visagistin wird Lisa aber trotzdem nicht aufgeben. Dafür machen ihr die eigenen Aufträge einfach zu viel Freude. Zur Ruhe kommt Lisas rollendes Schminkköfferchen also ganz bestimmt nicht so schnell.


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1 comment to “Dozentin Lisa Wolff in der Süddeutschen Zeitung”

  • maillot de foot pas cher, 27. Juni 2013 at 18:57

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